Beim Einkauf von Titanstäben und -blechen stoßen Einkäufer immer wieder auf verlockende Angebote: Während seriöse Hersteller für Ti-6Al-4V (Grade 5) 26–30 $/kg kalkulieren, bietet ein einzelner Anbieter scheinbar dasselbe Material für 18–21 $/kg an.
In der Metallurgie gibt es jedoch keine Wunder, die den Fertigproduktpreis von den Rohstoffkosten für Reinst-Titanschwamm entkoppeln.
1. Die 1–3-wöchige physische Preisübertragungsverzögerung
Titanschwamm (0-Grad-Qualität von Yunnan oder Jinda) wird im Vakuum-Lichtbogenofen (VAR) über 24–72 Stunden zu 3–15 Tonnen schweren Blöcken erschmolzen. Danach folgen Schmieden, Glühen und Prüfen. Preisschwankungen am Rohstoffmarkt übertragen sich erst mit 1 bis 3 Wochen Verzögerung auf die Halbzeugpreise. Ein sofortiger Preissturz ist fertigungstechnisch unmöglich.
2. Die Schrott-Falle: Billigpreise durch Späneeinschmelzung
Um Dumpingpreise von 19 $/kg zu realisieren, greifen unseriöse Werkstätten auf nicht sortenreine Drehspäne und Altschrotte zurück, die für 6–10 $/kg gehandelt werden.
- Das Sauerstoffproblem: Titan bindet bei hohen Temperaturen extrem gierig Sauerstoff. Oxidierte Späne führen beim Einschmelzen zu dramatisch erhöhten Sauerstoffgehalten ($>0,22%$).
- Die Versprödung: Der Werkstoff verliert seine Duktilität; die Bruchdehnung sinkt von gesunden 14–16 % auf unter 8 %, was im Betrieb zu plötzlichen Sprödbrüchen führt.
3. Worauf Sie im Werkstoffprüfzeugnis (MTC) achten müssen
- Sauerstoffgehalt (O): Liegt er bei Ti-6Al-4V über 0,18 % oder knapp unter 0,20 %, wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit Schrott beigemischt.
- Bruchdehnung (A) & Brucheinschnürung (Z): Verdächtig hohe Zugfestigkeiten bei minimaler Dehnung sind ein klares Warnsignal für Sauerstoffversprödung.