Draht auf Spulen als Produktformbeispiel; das Aussehen belegt weder Werkstoffsorte noch Schweißzusatzklassifizierung.
Beim Einkauf von Titandraht sollte zuerst der Verwendungszweck feststehen. ASTM B863 beschreibt das Drahtprodukt aus Titan; AWS A5.16/A5.16M klassifiziert Schweißelektroden und Schweißstäbe aus Titan. Bei Schweißzusätzen ist deshalb die in der freigegebenen Schweißanweisung verlangte Klassifizierung maßgebend, bei einer Drahtbestellung dagegen die festgelegte Werkstoffsorte samt Produktanforderungen. Ein Vertrag kann beide Normen verlangen. Die Erfüllung der einen belegt jedoch nicht automatisch die Erfüllung der anderen.
Die Spezifikation nach dem Verwendungszweck wählen
Der ASTM-Katalog führt derzeit B863-26 als aktive Spezifikation für Draht aus Titan und Titanlegierungen. Der AWS-Katalog nennt A5.16/A5.16M:2023 für Schweißelektroden und Schweißstäbe aus Titan und Titanlegierungen; ihre Klassifizierung beruht auf der chemischen Zusammensetzung der Elektrode. Die Bestellgrundlagen beschreiben unterschiedliche Aspekte: Drahtprodukt und Werkstoffsorte einerseits, Schweißzusatzklassifizierung andererseits. ASTM · AWS
| Beschaffungssituation | Grundlage der Anfrage | Vor einer Substitution klären |
|---|---|---|
| Draht nach Zeichnung oder Werkstoffspezifikation | Geforderte Produktnorm, Ausgabe und Werkstoffsorte | Ob angebotene Sorte, Zustand und Abmessungen die Zeichnung erfüllen |
| Draht oder Stäbe als Schweißzusatz | Norm, Ausgabe und Klassifizierung gemäß freigegebener Schweißanweisung | Ob angebotene Klassifizierung und Lieferform dieser Anweisung entsprechen |
| Vertrag verlangt beide Spezifikationen | Beide Anforderungen nennen und getrennte Nachweise anfordern | Ob der Lieferant tatsächlich beide erfüllt, statt die Bezeichnungen gleichzusetzen |
Diese Tabelle ist eine Einkaufsempfehlung. Sie wählt keinen Zusatzwerkstoff für eine konkrete Verbindung aus und bedeutet nicht, dass jede Drahtbestellung beide Normen verlangen muss.
Werkstoffsorte und Schweißzusatzklassifizierung auseinanderhalten
B863-26 nennt Grade 2 als unlegiertes Titan mit UNS R50400 und Grade 5 als Ti-6Al-4V mit UNS R56400. Die Bezeichnungen stehen für unterschiedliche Werkstoffe. Die AWS-Beschreibung definiert dagegen ein chemiebasiertes Klassifizierungssystem für Schweißzusätze. Lautet ein Angebot lediglich „Grade-2-Draht“, ist damit die erforderliche AWS-Klassifizierung für eine Schweißzusatzbestellung noch nicht nachgewiesen. Ebenso wenig belegt ein AWS-Klassifizierungskennzeichen sämtliche Anforderungen einer Bestellung nach B863.
Übernehmen Sie beim Schweißen die Zusatzwerkstoffbezeichnung aus der freigegebenen Schweißanweisung, anstatt sie aus der Sortennummer des Grundwerkstoffs abzuleiten. Schlägt der Lieferant eine andere Klassifizierung vor, sollte die für die Schweißanweisung verantwortliche Person den Vorschlag prüfen, bevor die Bestellung geändert wird. Das ist eine Empfehlung zur technischen Prüfung, keine zusätzliche Abnahmeklausel einer der beiden Normen.
Die Lieferform in der Anfrage festlegen

Draht im Ring veranschaulicht eine andere Lieferform als Spulendraht; Abmessungen und Konformität sind anhand von Bestellung und Unterlagen nachzuweisen.
Ist die Spezifikationsgrundlage geklärt, sollten alle Lieferanten dieselbe physische Ausführung anbieten: Durchmesser und Toleranz, Einheitensystem, Ringe, Spulen oder gerade Längen, Menge je Verpackungseinheit sowie den für den Auftrag relevanten Zustand beziehungsweise die Oberflächenanforderungen. Bei Spulendraht gehören die Spulenvorgaben der verarbeitenden Anlage in die Anfrage, bei abgelängtem Draht die benötigte Länge. Vereinbaren Sie die Loskennzeichnung und Prüfunterlagen, mit denen sich die gelieferte Verpackungseinheit der Bestellung zuordnen lässt.
Formulieren Sie diese Punkte als ausdrückliche Bestelleranforderungen, statt Standardvorgaben vorauszusetzen. AWS nennt Verpackung und Prüfung als Normthemen, veröffentlicht im Katalog aber nicht alle Abnahmeklauseln. Auch die Einheitensysteme sind zu beachten: Der öffentliche B863-Anwendungsbereich legt Inch-Pound-Werte als maßgebend fest; SI-Umrechnungen dienen der Information. AWS verlangt, die beiden Einheitensysteme unabhängig voneinander zu verwenden. Legen Sie die vertragliche Einheitenbasis fest, statt Grenzwerte aus unterschiedlichen Systemen stillschweigend zu mischen.
Offene Entscheidungen in der Anfrage sichtbar machen
Für eine Drahtproduktanfrage kann folgende Formulierung dienen: „Titandraht nach der vereinbarten Ausgabe von ASTM B863, mit Werkstoffsorte und UNS-Bezeichnung gemäß unserer Zeichnung; bitte Durchmesser, Toleranz, Lieferform, Zustand, Menge und Prüfunterlagen anhand der Zeichnung anbieten und alle Abweichungen nennen.“
Für eine Schweißzusatzanfrage eignet sich: „Titanschweißdraht oder -stäbe nach der vereinbarten Ausgabe von AWS A5.16/A5.16M, mit der in unserer freigegebenen Schweißanweisung geforderten Klassifizierung; bitte Durchmesser, Lieferform, Verpackung, Loskennzeichnung und erforderliche Konformitätsunterlagen bestätigen und alle Abweichungen nennen.“
Diese Beispiele zeigen den Aufbau einer Anfrage; sie sind weder vollständige Bestellungen noch Normzitate. Ergänzen Sie die tatsächlichen Projektanforderungen. Klären Sie vor der Abnahme jeden vorgeschlagenen Ausgabenwechsel und verwenden Sie den jeweiligen lizenzierten Normtext für genaue Zusammensetzungsgrenzen, Toleranzen, Prüfungen und weitere Abnahmebestimmungen. Die öffentlichen Katalogseiten stützen diesen Vergleich der Anwendungsbereiche, ersetzen aber keine der beiden Normen.
Quellen
- ASTM B863-26 — Draht aus Titan und Titanlegierungen — offizieller Katalog der aktiven Ausgabe, öffentlicher Anwendungsbereich und Kurzbeschreibung; geprüft am 21. Oktober 2026.
- AWS A5.16/A5.16M:2023 — Titanschweißelektroden und -stäbe — offizielle Katalogbeschreibung; geprüft am 21. Oktober 2026.