Allgemeiner Kontext einer rohrbasierten Titanausrüstung; Grade 7 und Prozessaufgabe sind nicht erkennbar.
Titan Grade 7 ist dann eine begründete Wahl, wenn ein klar beschriebener chemischer Prozess die Korrosionsbeständigkeit von palladiumhaltigem Reintitan benötigt und das angebotene Rohr für diesen Einsatz belegt ist. Der Palladiumbereich von 0,12–0,25 % im aktuellen Datenblatt von Alleima für nahtlose Rohre kennzeichnet die Legierung; er ist keine pauschale Freigabe. Vor der Bestellung müssen Medium, Konzentration, Temperatur, pH-Wert, Oxidationsmittel oder Verunreinigungen, Belüftung, Wärmeübergang, Ablagerungen, Spaltgeometrie, galvanische Kontakte, Produktform und Abnahmenachweise feststehen.
Das ist wichtig, weil Grade 7 oft verkürzt als „Grade 2 plus Palladium“ beschrieben wird. Tatsächlich entscheidet die gesamte Umgebung über das Korrosionsverhalten. Palladium kann den nutzbaren Bereich von Reintitan in bestimmten reduzierenden Medien erweitern; es macht jedoch nicht jede Säure, fluoridhaltige Lösung oder unklar definierte Prozessführung sicher.
Was der Palladiumzusatz verändert
Alleima beschreibt sein nahtloses Grade-7-Rohr als unlegiertes Titan mit Palladium, UNS R52400, und nennt 0,12–0,25 % Palladium. Das Material wird als korrosionsbeständig in reduzierenden und oxidierenden Umgebungen sowie als typisch für die chemische Industrie dargestellt.
Der historische Korrosionsleitfaden von TIMET erklärt den Zusammenhang allgemeiner: Kleine Nickel- und Palladiumzusätze unterstützen eine stabile schützende Oxidschicht unter schwierigeren reduzierenden Bedingungen. Die Vergleichstabelle ordnet Grade 7 dem Reintitan mit Palladiumzusatz und derselben nominellen Festigkeitsfamilie wie Grade 2 zu.
Die Schlussfolgerung bleibt eng: Grade 7 kann bei reduzierenden Säuren ein besserer Kandidat sein, wenn unlegiertes Titan an Grenzen stößt. Die Bezeichnung allein definiert aber nicht den Prozess. Auch das aktuelle Alleima-Datenblatt verlangt Kenntnis der tatsächlichen Einsatzbedingungen und beschränkt seine Angaben auf Alleima-Werkstoffe.
Die tatsächlichen Einsatzbedingungen entscheiden
TIMET weist darauf hin, dass Laborwerte im Betrieb durch Verunreinigungen, Wärmeübergang, Ablagerungen und weitere Unterschiede verändert werden können. Für die endgültige Werkstoffwahl können Betriebsversuche nötig sein. Das sind konkrete Einflussgrößen: Sie können an der Oberfläche heißere, schlechter belüftete oder stärker konzentrierte Bedingungen erzeugen als die Beschreibung des Bulk-Mediums vermuten lässt.
„Salzsäurebetrieb“ reicht deshalb für eine Anfrage nicht aus. Benötigt werden mindestens Konzentration sowie Normal- und Störfalltemperaturen. Hinzu kommen Oxidationsmittel, Inhibitoren, Metallionen, Belüftung, Strömung, Wärmestrom, Ablagerungen, Spalte, Reinigungschemie und galvanische oder kathodische Kopplungen. Ein sauberer, belüfteter Coupon bei Raumtemperatur bildet nicht automatisch einen beheizten Rohrbodenspalt oder eine belegte Wärmetauscherfläche ab.
Alte Säurediagramme nur bedingt verwenden
Der historische TIMET-Leitfaden zeigt, warum palladiumhaltiges Titan für chemische Anwendungen interessant wurde. Sein Salzsäurediagramm weist für Grade 7 unter den dargestellten Bedingungen einen größeren Konzentrations-Temperatur-Bereich als für unlegiertes Titan aus. Das ist nützliches Screening, aber kein aktueller universeller Grenzwert, keine Bemessungskennzahl und keine Lieferantengarantie. Chemie, Konzentration und Temperatur müssen übereinstimmen.
Der Leitfaden nennt zugleich eine wichtige Ausnahme: Selbst verdünnte Flusssäure greift Titan schnell an; für Fluoridlösungen unter pH 7 wird Titan grundsätzlich nicht empfohlen. Palladium macht Grade 7 nicht fluoridfest. Kann Fluorid über Rohstoffe, Reinigung oder Verunreinigung eintreten, gehört es bereits in die Einsatzdefinition.
Die Produktform gehört in die Bestellung

Produktformen von Titanrohren; Güte, Abmessungen und Zertifizierung sind nicht erkennbar.
Die aktuelle Alleima-Seite betrifft nahtlose Rohre. Sie qualifiziert weder Blech, Stab oder geschweißtes Rohr noch ein Schweißverfahren, einen fertigen Wärmetauscher oder Material eines anderen Herstellers. Solche Formen können geeignet sein, benötigen aber eine eigene Spezifikation, Fertigungsroute und Abnahmebasis.
Eine belastbare Bestellung nennt daher Grade 7, die anzuwendende Werkstoffspezifikation, Produktform, Außendurchmesser und Wanddicke, Zustand und Oberfläche, Maßtoleranzen, zerstörungsfreie Prüfungen, Zeugnisinhalt sowie zusätzliche Korrosions- oder Fertigungsnachweise. Zeichnung und Bestellung sollten auch festlegen, wer die endgültige Einsatzfreigabe verantwortet.
Eine praktische Freigabefolge
Zuerst wird das vollständige Betriebsfenster einschließlich Reinigung, Anfahren und plausibler Störfälle definiert. Danach wird geprüft, ob die Nachweise die maßgebende Chemie, Temperatur, Stoffübertragung und Spaltsituation abdecken. Anschließend werden Produktform und Bestellanforderungen festgeschrieben. Offene Punkte werden vor der Fertigung durch Korrosionsfachprüfung, Lieferantennachweise oder einen repräsentativen Test geschlossen.
Die belastbare Aussage lautet somit nicht, dass Grade 7 bei jeder Säure automatisch geeignet ist. Grade 7 ist begründet, wenn sein palladiumunterstütztes Korrosionsverhalten ein klar definiertes Einsatzproblem löst und die verbleibenden Nachweise zu Betrieb, Produktform und Freigabe ausdrücklich vorliegen.
Quellen
- Alleima, Alleima Ti Grade 7 — nahtlose Rohre, Datenblatt aktualisiert am 9. Mai 2025; abgerufen am 8. Oktober 2026.
- TIMET, Corrosion Resistance of Titanium, historischer technischer Leitfaden; abgerufen am 8. Oktober 2026.